Impuls vom Dienstag, 27. Oktober 2026
WOLFHARD – EINFACH ANKOMMEN Der Heilige, der loslassen konnte
Manchmal ist Innehalten die mutigste Entscheidung.
Wolfhard von Augsburg lebte im 12. Jahrhundert und war Goldschmied – ein handwerklicher Beruf, der Präzision und Geduld verlangt. Irgendwann entschied er sich, alles hinter sich zu lassen, und pilgerte nach Verona, wo er als einfacher Pförtner in einem Kloster lebte. Kein Ruhm, keine Karriere – er wollte einfach ankommen. Die Kirche verehrt ihn als Heiligen, weil er in dieser Stille etwas gefunden zu haben scheint, das vielen fehlt.
Es gibt Momente, in denen man einfach pausieren will – nicht weil man versagt hat, sondern weil man atmen muss. Wolfhard hatte den Mut, einen erfolgreichen Weg zu verlassen und einen anderen zu gehen. Das ist keine Schwäche, das ist Klarheit über sich selbst. Die Frage ist nicht: Wohin laufe ich? Sondern: Bin ich überhaupt bei mir?
Ein Satz aus dem Buch der Psalmen trifft das genau:
Kommt her, schaut und seht die Taten Gottes, der Erstaunliches wirkt unter den Menschen.
Psalm 66,5 · Luther 1912
Manchmal passiert das Erstaunliche nicht im großen Getöse, sondern in dem Moment, in dem man einfach stehen bleibt und hinschaut.
Alle sitzen aufrecht, Füße auf dem Boden. Auf ein Signal atmen alle gleichzeitig tief ein – so tief wie möglich, Bauch raus. Gemeinsam halten. Dann gemeinsam langsam ausatmen. Dreimal wiederholen. In der Stille hört man den Raum. Wolfhard hat sein ganzes Leben neu ausgerichtet – ihr nehmt euch jetzt drei Atemzüge, um kurz bei euch selbst anzukommen.